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Fachkräftemangel in NRW spitzt sich weiter zu

Die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen haben zunehmend Probleme qualifiziertes Personal zu finden. Wie die IHK NRW mitteilt, fehlen heute bereits 350.000 Fachkräfte im Land, davon 305.000 mit klassischer Berufausbildung und 45.000 mit Universitäts- oder Hochschulausbildung. Nach aktuellen Schätzungen könnte die Fachkräftemangel bis 2035 auf bis zu 1,3 Millionen anwachsen, da dann die sogenannte Babyboomer-Generation ins Rentenalter kommt. Die Entwicklung bremst die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen zunnehmend aus. Laut einer Umfrage der IHK sehen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel inzwischen als ernstes Risiko für ihr Geschäft an.

Handwerk leidet besonders unter Fachkräftemangel

Handwerk
Das Handwerk leidet besonders unter dem anhaltenden Fachkräftemangel, Foto: jonkline / pixabay

Problematisch ist laut der IHK vor allem der Trend, dass junge Menschen heutzutage lieber ein Studium aufnehmen und kaum noch Interesse an Ausbildungsberufen zeigen. Daraus folgen in zahlreichen Branchen anhaltende Personalengpässe. Besonders deutlich ist dies im Handwerk zu spüren. Hier fehlen bundesweit heute bereits 250.000 Fachkräfte. Rund 40 Prozent aller Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Personal.

Dieser Personalmangel wirkt sich unter anderem negativ auf Energiewende aus, weil Aufträge erst nach Wochen oder Monaten abgearbeitet werden können. Dadurch verzögern sich etwa Installationen von effizienteren Heizungsanlagen oder Wärmepumpen. Letztlich werde man ohne geeignete Fach- und Führungskräfte im Handwerk die nötige Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft nicht bewerkstelligen können, so der Westdeutsche Handwerkskammertag.

Handlungsempfehlungen für das Handwerk

Um das Ausmaß des Fach- und Führungskräftemangels im Handwerk zu verdeutlichen, hat der Westdeutsche Handwerkskammertag kürzlich eine Broschüre mit Analysen und Handlungsempfehlungen publiziert, die sich vor allem an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern richtet. Darin wir dunter anderem gefordert, dass von Seiten der Politik die duale Ausbildung und die Höhere Berufsbildung, umfassend gestärkt und das gesellschaftliche Ansehen gefördert wird. Dafür soll die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung rechtlich verankert werden. Auch eine Gleichbezahlung von Meistern und Bachelors im öffentlichen Dienst wird gefordert.

Zudem könnten spezielle Fachkräfteagenturen vor allem Kleinbetrieben beim Kampf um Talente unterstützen. Auch in der Fachkräfteeinwanderung sieht der Westdeutsche Handwerkskammertag einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Fach- und Führungskräfteproblematik. Insgesamt umfasst die Broschüre 13 Handlungsempfehlungen.

Regionale Unterschiede beim Fachkräftemangel

Ausbildungsberufe mit besonders großen Besetzungsproblemen in NRW sind aktuell beispielsweise Fleischer, Bäcker, Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Fachmann/-frau für Systemgastronomie, Fachkfraft im Gastgewerbe, Hörakustiker/in sowie Kaufmann/frau im Einzelhandel. Insgesamt gibt es bei den offenen Stellen im Handwerk jedoch deutliche regionale Unterschiede. Während diese in Großstädten deutlich besser besetzt werden, leidet vor allem der ländliche Raum unter fehlenden Fachkräften. So liegt der Anteil an offenen Stellen, für die nicht adäquat besetzt werden können , in den Arbeitsagenturbezirken Cosefeld, Ahlen-Münster, Paderborn und Herford bei über 70 Prozent, während er in Düsseldorf, Köln oder Duisburg zwischen 10 bis 20 Prozent rangiert.

Etwas anders sieht es aus Perspektive der IHK aus. Hier kommt es aktuell bereits in den Regionen Essen, Düsseldorf, Hagen, Bielefeld und Detmold zu einem hohen Personalbedarf, der immer schlechter durch fachlich qualifiziertes Personalangebot gedeckt werden kann. Einen wachsenden Bedarf verzeichnen aktuell vor allem die Büro- und Sekreteriatsberufe, Verkaufsberufe, Berufe der Unternehmensführung, Unternehmensorganisation und im Personalwesen, in sozialen und hauswirtschaftlichen Berufen sowie in Recht, Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie Medizin und Maschinenbau. Bereits ab 2027 wird der Bedarf jedoch derart deutlich ansteigen, das jede vierte Stelle unbesetzt bleiben könnte.

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