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Baubranche leidet unter deutlichem Auftragsrückgang

Die Baubranche sieht sich aktuell mit dem stärksten Auftragsrückgang seit 2012 konfrontiert. Laut dem Hauptverband der deutschen Bauindustrie wurde im April ein realer Einbruch bei Auftragseingängen von 16,4 Prozent im Vergleich zum Vormat verzeichnet. Grund dafür ist vor allem die wachsende Verunsicherung bei Investoren infolge des russischen Angriffskieges auf die Ukraine. Hinzu kommen steigende Material- und Energiepreise sowie anhaltende Störungen in den Lieferketten. Daher würden aktuell viele Investoren ihre Projekte zurückstellen, um die starken Preissteigerungen zu umschiffen. Das bringt Bauunternehmen in eine missliche Lage. Diese sind bemüht Einsparpotenziale zu identifizieren und Kostenstrukturen zu optimieren.

Wohnungsbau besonders stark betroffen

Baustelle
Die Baubranche ist einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftszweige überhaupt, Foto: joffi / pixabay

Besonders stark betroffen vom derzeitigen Auftragsrückgang ist der Wohnungsbau, der im April mit einem Minus von von 17,4 Prozent zu kämpfen hatte. Auch im Mai setzte sich dieser negative Trend fort, so dass für den gesamten Zeitraum von Januar bis Mai ein reales Minus von 5,1 Prozent ausgewiesen werden musste. Angesichts des hohen Bedarfs an Wohnungen ist dies eine überaus kritische Entwicklung, die sich nach Ansicht von Experten jedoch vorerst fortsetzen wird.

Auch der Straßenbau musste zuletzt einen deutlichen Orderrückgang hinnehmen. Hier sanken die Auftragszahlen um 13,6 Prozent. „Beim Straßenbau befürchten wir, dass die öffentlichen Auftraggeber und hier insbesondere die Kommunen schon auf die Investitionsbremse getreten sind. Die starken Preissteigerungen bei Bitumen und Asphalt haben die Projekte verteuert, was die Haushaltsansätze der Kämmerer sprengt“, so Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie.

Einsparpotentiale auszuschöpfen

Für Bauunternehmen ergibt sich aus der veränderten Auftragslage die Notwendigkeit, ihre Kostenstrukturen zu überdeneken und Einsparpotentiale auszuschöpfen.

Ressourceneffizienz steigern – nachhaltig bauen

Die Bauindustrie ist einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftszweige überhaupt. Laut dem Statistischen Bundesamt entfallen rund 90 Prozent der im Inland verwerteten Entnahmen sonstiger mineralischer Rohstoffe auf Baumineralien auf die Bauindustrie. Zudem fallen pro Jahr mehr als 200 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle an, was mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Abfallaufkommens ausmacht.

Unter diesen Gesichtspunkten gewinnt das ressourcenschonende Bauwesen eine immer stärkere Bedeutung. So bieten etwa Passivhäuser in Holzbauweise viele Potentiale, die inzwischen auch große Bauträger erkannt haben. So wird in Düsseldorf mit dem Bauprojekt „The Cradle“ aktuell ein wegweisendes Projekt im Medienhafen realisiert. Dabei handelt es sich um ein innovatives Holzhybrid-Bürogebäude, das nach dem besonders nachhaltigen C2C-Prinzip errichtet wird. Dabei kommen vor allem Materialien zum Einsatz, die wiederverwendet werden können.

Remanufacturing und Re-Use Prinzip

Auch das Thema Remanufacturing gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dadurch können der Material- und Energieaufwand und die daraus resultierenden Kosten bei der Herstellung eines Produkts reduziert werden. Dieses Prinzip lässt sich auch auf die Bauwirtschaft anwenden. So können verschiedene Materialen beim Bau wiederverwendet werden, indem sie repariert oder nur teilweise ersetzt werden. Auch das Recycling von Baumaterialien bieten Möglichkeiten, wenngleich der Aufbereitungsprozess aufwändig und das Ergebnis nicht immer äquivalent zum Ausgangsmaterial ist.

Insgesamt rückt verstärkt auch das Re-Use-Prinzip in den Fokus. Dabei werden im Sinne einer zirkulären Bauwirtschaft vorhandene Materialien und Maschienen wiederverwendet. Ein Beispiel stellen etwa gebrauchte Baumaschinen dar, die über spezialisierte Anbieter wie Surplex Industrieauktionen bezogen werden können. Auch wer seinen aufgeblähten Maschinenbestand ausdünnen und monetarisieren möchte, kann deartige Dienstleister in Anspruch nehmen.

Förderprogramme für nachhaltiges Bauen

Um das nachhaltige Bauen zu forcieren, sind verschiedene Förderprogramme ins Leben gerufen worden, die vielfältige finanzielle Unterstützung bieten. Diese gibt es sowohl auf Bundes- und Landesebe, als auch im kommunalen Sektor. Unterstützt werden vor allem ökologische Bauvorhaben oder energieeffiziente Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Eine Übersicht aktueller Förderprogramme findet sich etwa beim VDI Zentrum Ressourceneffizienz.

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