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Perspektiven für den Mittelstand: Kooperation statt Wettbewerb

Die Digitalisierung bietet in allen unternehmerischen Bereichen vielfältige Möglichkeiten, von der IT-Infrastruktur bis hin zum Marketing. Doch in mittelständischen Unternehmen bleiben Potenziale häufig ungenutzt oder werden nicht erkannt, weil der Informationsstand unzureichend ist. Ein Grund hierfür: Der Fachkräftemangel, der den Aufbau firmeneigener IT-Abteilungen erschwert.

Dadurch droht der Mittelstand bei der Digitalisierung nicht nur an Innovationskraft zu verlieren, sondern zugleich an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Denn es geht nicht allein darum, zukunftsfähige Technologien zu integrieren, diese müssen auch sinnvoll genutzt werden – um Prozesse effizienter zu machen, um eine schnellere und weitreichendere interne und firmenübergreifende Vernetzung zu erreichen, um neue Geschäftsfelder aufzutun und die Wertschöpfung zu verbessern.

Fehlendes digitales Know-how bremst Innovationen im Mittelstand

Doch bei vielen Firmen des Mittelstands bestehen nach wie vor grundlegende Probleme, wenn es um Fragen der Digitalisierung geht: Laut Umfrageergebnissen von KfW Research haben rund 80 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) einen großen Bedarf an digitalen Grundkompetenzen. Hierunter fällt etwa der Umgang mit Standardsoftware oder mit digitalen Endgeräten. Dabei wird gerade diesen Fähigkeiten die größte Bedeutung beigemessen, deutlich mehr als den fortgeschrittenen Kompetenzen wie Programmieren oder statistische Datenanalyse.

Wie soll der digitale Bedarf bei KMU gedeckt werden?

Bei rund einem Drittel der Unternehmen fehlen nach eigenen Angaben die genannten Digitalkompetenzen zumidnest teilweise, bei 14 Prozent bestehen sogar erhebliche Engpässe. Vor allem bei der statistischen Datenanalyse ist der nur teilweise gedeckte Bedarf mit 40 Prozent überdurchschnittlich hoch, verglichen mit anderen Kompetenzbereichen.

Kooperation
Gemeinsam Perspektiven schaffen: KMU profitieren nicht nur in Krisenzeiten von Kooperationen.
Foto: Adobe Stock / Photographee.eu

Insgesamt bestehen nach der KfW Research-Studie drei mögliche Wege, um die Kompetenzengpässe zu überwinden:

  • Es werden neue Fachkräfte eingestellt, die über die notwendige Expertise verfügen.
  • Dem vorhandenen Personal werden die benötigten Kompetenzen durch Weiterbildungen vermittelt.
  • Die Aufgabengebiete, für die der Bedarf nicht gedeckt ist, werden an andere Firmen ausgelagert.

Prinzipiell haben mittelständische Unternehmen zudem eine weitere Option, die vom Land, der städtischen Wirtschaftsförderung und der Industrie- und Handelskammer gefördert wird: die Kooperation mit jüngeren Unternehmen. Diese kann nicht nur den etablierten KMU bei der Digitalisierung helfen, sondern gleichzeitig Start-ups neue Möglichkeiten für die Weiterentwicklung eröffnen.

Kooperation im Wettbewerb

Für junge Unternehmen bietet sich in solchen Kooperationen die Möglichkeit, aus den Erfahrungen von etablierten Betrieben zu lernen, beispielsweise bei der Prozesssteuerung. Darüber hinaus besteht ein sehr viel unmittelbarer wirtschaftlicher Mehrwert, weil auf diesem Wege neue Aufträge möglich sind. Gerade bei Zusammenarbeiten mit renommierten, überregional agierenden Mittelständlern ist das außerdem ein wichtiger Faktor für das weitere Wachstum von Start-ups.

Auf der anderen Seite zeigt sich, dass mittelständische Unternehmen ihrerseits Vorteile aus der Kooperation ziehen können: Dazu gehört vor allem das Know-how, um die Wertschöpfungsketten an die Bedingungen der Digitalisierung anzupassen. Gemeint ist damit beispielsweise, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die an die Herstellung der eigenen Produkte anknüpfen und damit verbundene Serviceleistungen für die Kunden beinhalten.

Von solchen Kooperationen profitieren allerdings vor allem größere Unternehmen, wie die Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Industrie und des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn belegen: Unter den Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro waren 68,3 Prozent an einer Zusammenarbeit mit einem Start-up beteiligt. Betriebe mit geringeren Umsätzen liegen leicht unter dem Durchschnitt von 47,7 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn die Mitarbeiterzahl zugrunde gelegt wird. Ab einer Unternehmensgröße von 1.000 Mitarbeitern liegt die Kooperationsquote bei 63,6 Prozent, Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern bleiben hingegen unter dem Durchschnitt.

Obwohl die Befragung der kooperierenden Mittelständler ergeben hat, dass eine große Mehrheit von knapp 70 Prozent mit ihren Zusammenarbeiten zufrieden sind, bleibt das Potenzial noch in vielen Fällen ungenutzt.

KMU, Start-ups und die Schwierigkeiten

Dass keine größere Zahl an KMU auf Kooperationen mit Start-ups setzt, hat verschiedene Gründe. Der wohl häufigste Hinderungsgrund sind unterschiedliche Vorstellungen bei der Vereinbarung gemeinsamer Ziele. Auch Widerstände im eigenen Unternehmen, meist  zurückzuführen auf unterschidliche Unternehmenskulturen, können eine erfolgreiche Kooperation torpedieren. In diesem Punkt sind Start-ups deutlich stärker auf Flexibilität eingestellt, weil sie bereits in einer dynamischen, von schnellen Veränderungen geprägten Umgebung entstehen.

Aber auch Unterschiede in der Führungskultur können Probleme bedeuten. Fehlt es an der Offenheit gegenüber notwendigen Veränderungen, bremsen sich die Betriebe letztlich selber aus. Für den Wandel im eigenen Unternehmen bräuchte es ein strategisches Change-Management (PDF). Das hilft langfristig dabei, nicht nur auf Veränderungen des Marktes reagieren zu müssen, sondern diese auch selbst gestalten zu können.

Kooperationen und Unterstützung auf verschiedenen Ebenen

Die Suche nach geeigneten Partnern für eine Zusammenarbeit ist nicht selten die erste und womöglich schwierigste Hürde. Um in diesem Punkt für bessere Bedingungen zu sorgen, stehen bundesweit diverse Kooperationsplattformen zur Verfügung. Verbände sowie Industrie- und Handelskammer stellen solche Plattformen bereit, die unter anderem Matching-Initiativen umfassen und Start-ups eine Möglichkeit bieten, sich bei größeren Unternehmen vorzustellen. Das funktioniert im regionalen Kontext genauso wie im überregionalen.

Das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut möchte mit seinen verschiedenen Kooperationsplattformen schwerpunktmäßig das Innovationsklima fördern. Nicht nur für forschende Unternehmen sind diese Angebote interessant, denn mit dem Themen Digitale Technologien und Digitale Vernetzung sind grundlegende Aspekte des digitalen Wandels abgedeckt. Ähnliche Unterstützung bietet die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. (AiF) an, die ihrerseits mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zusammenarbeitet.

Die Industrie- und Handelskammern haben mit TeamTausch zudem eine Plattform geschaffen, die es den teilnehmenden Unternehmen ermöglicht, Personalengpässe durch „Ausleihen“ von Mitarbeitern anderer Firmen zu schließen. Umgekehrt können Betriebe auch ihre eigene Personalstärke bereitstellen, um Kooperationspartnern auszuhelfen.

Kooperation stärkt nicht nur Innovationsfähigkeit

Dass solche Kooperationsplattformen und die Zusammenarbeit von Unternehmen generell nicht nur für die Innovationsfähigkeit förderlich sind, beweist sich aktuell auch in der Corona-Pandemie. Die hat die mittelständischen Unternehmen in vielen Fällen enger zusammenrücken lassen. Unterstützung in Form von vereinfachten Konditionen für Serviceleistungen zählen ebenso zu den Möglichkeiten wie Personalpartnerschaften zwischen Vertretern unterschiedlicher Branchen – so beispielsweise praktiziert von McDonalds und Aldi. Vor dem Corona-Hintergrund haben auch die IHKs längst reagiert und unter dem Motto „Unternehmen helfen Unternehmen“ ihrerseits regionale Initiativen gestartet, über die verschiedene Hilfsangebote koordiniert werden.

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