home Wirtschaft Herausforderungen der Digitalisierung in der Stahlbranche

Herausforderungen der Digitalisierung in der Stahlbranche

Lange Zeit wurde die Landeshauptstadt Düsseldorf umgangssprachlich als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ bezeichnet. Diese Metapher bezog sich auf die Tatsache, das zahlreiche Eisen und Stahl produzierende Betriebe ihren Verbands- oder Verwaltungssitz in Düsseldorf haben – oder hatten. Nach dem die Mannesmann AG 2001 das zeitliche segnete, verließ mit der Thyssenkrupp AG im Jahr 2010 ein weiteres Schwergewicht der Stahlindustrie die Stadt. Zuletzt schloss 2016 der finnische Stahlkonzern Outokumpu sein Werk im Düsseldorfer Stadtteil Benrath. Dennoch sitzen bis heute zahlreiche wichtige Institutionen dieser Branche in Düsseldorf. Zu nennen wären beispielsweise die Wirtschaftsvereinigung Stahl, das Stahlinstitut VDEh, die Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V. (FOSTA) oder das Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE). Diese und andere Organisationen sind im Stahl-Zentrum versammelt, das technisches, wirtschaftliches und politisches Wissen rund um den Werkstoff Stahl bündelt. Auch der Arbeitgeberverband Stahl e.V. hat seinen Sitz in Düsseldorf. Grund genug einen Blick auf die Herausforderungen dieser Branche zu werfen.

Wachsenden Anforderungen bei der Stahlproduktion

Stahl Produktion
Die Stahl-Produzenten stehen vor großen Herausforderungen, Foto: 12019 / pixabay

Weltweit besteht eine erhöhte Nachfrage nach Stahlerzeugnissen. Dieser Trend wird nach Meinung von Experten in den kommenden 20 Jahren anhalten. Dennoch haben die Stahlproduzenten mit erhöhtem Konkurrenzdruck vor allem aus China zu kämpfen. Heutige Stahlprodukte müssen hochfest sein, idealen Korrosionsschutz sowie Stabilität und Schutz bieten (Beispiel: Automobilindustrie). Desweiteren müssen aber auch verschiedene Umweltschutzauflagen erfüllt werden, so dass energiesparende Produktionstechnologien forciert, Schadstoffemissionen minimiert und Recyclingquoten eingehalten werden. Diesen wachsenden Anforderungen lässt sich nur mit intelligenten Produktionslösungen sowie hochgradig digitalisierten Produktions- und Geschäftsprozessen begegnen.

Herausforderung Digitalisierung in der Stahlbranche

Mit der Industrie 4.0 geht die Digitalisierung von Prozessen und die Sammlung und Auswertung großer Datenmengen (Stichwort „Big Data„) einher. Infolgedessen bieten sie für die Stahlbranche neue Möglichkeiten für innovative Techniken, eine umfangreiche Automatisierung und Know-how-Transfer. So können automatisierte Stahlfabriken in bestimmten Bereichen etwa mit künstlicher Intelligenz ausgestattet werden, um Fehlerquoten zu senken, Entscheidungswege zu beschleunigen und die Instandhaltung der Anlagen zu erleichtern. Stahlfabriken sind dadurch imstande, Kosten effizient zu senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern. Letzteres ist besonders im Hinblick auf die „Billigstahl-Konkurrenz“ aus Fernost von Belang.

Trend Online-Handel – ein Schritt in die richtige Richtung

Einige Stahlhändler setzen zudem auf neue Vertriebswege. So können Bestellungen über E-Commerce-Lösungen deutlich schneller abgewickelt werden, als im klassischen Offline-Geschäft. Hier ergibt sich Potenzial, Bestellprozesse mithilfe digitaler Lösungen zu optimieren und optimal auf die Bedürfnisse der Kunden auszurichten. Online Shops wie der von klöckner & Co bieten Kunden den Vorteil, rasch einen umfassenden Überblick über das bestehende Warenangebot zu gewinnen. Diese online zu vertreiben erlaubt gleichzeitig eine verbesserte Transparenz im Hinblick auf die Warenverfügbarkeit. Voraussetzung hierfür ist seitens der Stahlhändler natürlich eine digitale Erfassung und Abrufbarkeit ihrer Warenbestände. Der Online-Handel bietet also gleichermaßen Herausforderung und Ansporn, digitale Prozesse in Gang zu bringen.

Der Traum von der „mannlosen Fabrik“

Hochmoderne Softwarelösungen wie „Digital Twin“ ermöglichen die Virtualisierung nahezu aller Prozesse. In der Stahbranche kann diese Lösung beispielsweise als Kommunikationsplattform für Stahllieferant und Kunde genutzt werden, mit Zugriff auf Material-, Produktions- und Prozessdaten. Das ermöglicht eine bessere Abstimmung und letztlich eine effizientere Abwicklung. Weiteres Optimierungspotential bieten automatisierte Transportsysteme und Fertigungsanlagen sowie Echtzeit-Datenanalysen. Letztlich träumen viele Stahlproduzenten von der mannlosen Fabrik, eine Vision die angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre nicht mehr unrealistisch klingt. Dennoch liegt noch ein weiter Weg vor den deutschen Stahlunternehmen. Den meisten sind die Vorteile von Industrie 4.0 zwar bewusst, jedoch wissen viele noch nicht, wie sie diese für das eigene Geschäft effektiv umzusetzen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.