home Headline, Wirtschaft Gerresheimer AG scheidet aus SDAX aus

Gerresheimer AG scheidet aus SDAX aus

Jahrelang schwamm die Düsseldorfer Gerresheimer AG auf der Erfolgswelle. Im Zuge der Corona-Pandemie waren die Spezialverpakungen des Unternehmens in Form kleiner Injektionsfläschchen für den Corona-Impfstoff weltweit gefragt. Der seinerzeit massiv gesteigerte Umsatz beflügelte die Aktie des Unternehmens ebenso wie die Erwartungen der Anleger. Seit einiger hat Gerresheimer jedoch mit massiven Problemen zu kämpfen.

Laufende Untersuchungen durch BaFin gegen Gerresheimer

Logo Gerresheimer AG

Nach sinkenden Umsätzen in den vergangenen Jahren leitete die Finanzaufsicht Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zuletzt umfassende Untersuchungen gegen den Verpackungskonzern ein. Der Vorwurf: mögliche Bilanzfehler im Geschäftsjahr 2024. Konkret geht es um vorzeitige Umsatzrealisierungen, sogenannte „Bill-and-Hold“-Geschäfte, sowie Leasingfehler. Auch unterlassene Abschreibungen auf den Wert der Schweizer Tochter Sensile Medical werden kritisch beleuchtet. Letztlich steht der Vorwurf im Raum, das Unternehmen habe über Jahre hinweg bestimmte Umsätze falsch verbucht. Diese müssen nun abschließend entkräftet werden.

Veröffentlichung des Jahres- und des Konzernabschluss verschoben

Seither setzt sich Gerresheimer mit Wirtschaftsprüfern bezüglich einer abschließenden Erfassung von Umsatzerlösen und Bilanzierung in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 auseinander. Für entsprechende Maßnahmen benötigt man jedoch mehr Zeit und Ressourcen. Daher wurde eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hinzugezogen und die Veröffentlichung des Jahres- und des Konzernabschlusses 2025 verschoben.

Diese Maßnahme hatte jedoch zur Folge, dass die Gerresheimer AG aufgrund der Nichtvorlage des testierten Geschäftsberichts zum 10. April 2026 aus dem SDAX ausschreidet. Nachrücker im Kleinwerteindex ist der Smart-Home-Spezialist Shelly Group. Zuvor war das Unternehmen, das 40 Produktionsstandorte in 16 Ländern in Europa, Amerika und Asien unterhält, Ende 2025 bereits aus dem namhaften M-Dax ausgeschieden.

Verkauf der US-Tochter Centor Inc. angekündigt

Unter dem Druck der aktuellen Entwicklung hat Gerresheimer nun auch den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. angekündigt. Die Veräußerung des führenden Anbieters von Verpackungssystemen für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente in den USA, soll über die Investmentbank Morgan Stanley & Co. International plc abgewickelt werden – zur „Optimierung der Kapital- und Finanzierungsstruktur“, wie es vom Konzern heißt. Des Weiteren treibe man ein umfassendes Transformationsprogramm voran, um das Unternehmen zurück auf einen profitablen Wachstumskurs zu führen. Im Zuge dessen soll unter anderem ein Werk in Chicago Heights (USA) bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen und die Produktion auf Standorte in in Italien und Indien verlagert werden.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet die Gerresheimer AG ein stabiles bis leicht wachsendes Marktumfeld. Aktuell geht man von einem Umsatz von rund 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro, einer Adjusted EBITDA-Marge von rund 18 bis 19 Prozent und einem moderat positiven Free Cashflow aus. Weltweit sind mehr als 13.600 Mitarbeitende für den Gerresheimer-Konzern tätig. In der Zentrale in Düsseldorf sind es noch rund 200.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.