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Textilindustrie im Wandel

Die Textilindustrie zählt hierzulande zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des produzierenden Gewerbes. Laut dem Statistikportal „Statista“ liegt Umsatz der deutschen Textilindustrie bei etwa 12,3 Milliarden Euro im Jahr. Rund 130.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich, viele davon bei Betrieben im Großraum Düsseldorf. So gilt das nur wenige Kilometer entfernte Krefeld als traditioneller Textilstandort, während Düsseldorf als Modehauptstadt Deutschlands bekannt ist. Durch die Kombination aus Produktion und Handel hat die Textil- und Bekleidungsindustrie eine enorme Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf. Grund genug einen Blick auf diese Industrie zu werfen, die sich seit Jahrzehnten in einem andauernden Strukturwandel befindet und die durch Globalisierung und Digitalisierung regelmäßig vor neue Herausforderungen gestellt wird.

Neue Herausforderungen für die Textilindustrie

Bezogen auf den Umsatz rangiert die deutsche Textilbranche im Europäischen Vergleich auf Platz zwei, direkt hinter Italien. Neben Bekleidungsprodukten entstehen in Deutschland auch zahlreiche Vorleistungen für andere Produkte. Dabei handelt es sich meist um technische Textilien, die heute den größten Wachstumsmarkt der Textilindustrie darstellen. Egal, ob für Automobilindustrie oder für Luft- und Raumfahrtechnik, die innovativen deutschen Produkte sind international gefragt und entsprechend erfolgreich.

Insgesamt ist die Textilbranche die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland. In den letzten 15 Jahren haben sich die Voraussetzungen für die Bekleidungsindustrie jedoch massiv verändert. Zum einen wäre die fortschreitende Globalisierung und zum anderen das Auslaufen von Handelsbeschränkungen für Textil- und Bekleidungsprodukte bis zum Jahr 2005 zu nennen. Diese Entwicklung sorgte für eine Erhöhung des internationalen Kostendrucks, der einen Produktions- und Beschäftigungsabbau in Deutschland zur Folge hatte. Diesem Trend begegnete man durch die Ausweitung internationaler Absatzmärkte und Investitionen in Forschung und Entwicklung, teilweise mit nachhaltigem Erfolg.

Des Weiteren hat die Branche seit einigen Jahren mit einem veränderten Konsumverhalten zu kämpfen. Seit 2015 geben die Deutschen für textiles Haushaltszubehör zwar zunehmend mehr aus, für Bekleidung hingegen immer weniger. Vor allem im vergangenen Geschäftsjahr 2018 klagten viele Unternehmen über zu wenige Kunden und sinkende Umsätze, was neben dem klassische stationäre Handel übrigens auch den Onlinehandel betraf. Behaupten können sich laut der McKinsey-Studie „The State of Fashion 2018“ heute vor allem besonders hochpreisige Hersteller und zum anderen Discounter. Somit geht die Schere in der Modebranche weiter auseinander und Unternehmen mit Mittelpreissegment sehen sich einem immer stärker werdenden Preiswettbewerb ausgesetzt.

Neue Perspektiven durch Digitalisierung

Catwalk
Die Verschmelzung von Online und Offline bietet für die Modebranche neue Möglichkeiten, Foto: geralt / pixabay

Die Digitalisierung bietet zahlreiche Chancen für Innovationen in der Mode- und Textilbranche. Innovationen fordern allerdings neue Geschäftsmodelle, zu denen die Branche bereit sein muss. Auf drei Trendthemen in diesem Bereich möchten wir im Folgenden genauer eingehen Individualisierung, Vernetzung, sowie die Verschmelzung von Online und Offline. 

Individualisierung von Mode

Im Internetzeitalter gewinnt der Selstverwirklichungsdrang zunehmend an Bedeutung. Die Menschen sind zunemend bestrebt, sich von der Masse abzuheben und ihre Identität individuell zu gestalten. Ein wichtiges Kriterium in neuen Wertesystem der Individualisierung spielt die Mode. Sie soll nicht mehr nur „trendy“ oder „cool“ sein, sondern die Persönlichkeit des Trägers bzw. der Trägerin zum Ausdruck bringen. So treten außergewöhnliche und gerne auch personalisierte Modestücke an die Stelle beliebiger, industriell gefertigter Massenware. Verschiedene DIY-Trends (DIY = Do It Yourself) wie Upcycling entstammen diesem Individualisierungswunsch. Auch die Modeindustrie richtet sich nach den neuen Wünschen der Konsumenten aus und bietet ergänzende Dienstleistungen. So kann man etwa im neuen neuen Levi’s Flagshipstores in Düsseldorf sein Modestück an der „Print Bar“ nach eigenen Wünschen bedrucken lassen, oder im „Tailor Shop“ anpassen lassen. Andere Marken konzentrieren sich auf die Bedürfnisse einer speziellen Zielgruppe, um ihr Produktangebot optimal nach dieser auszurichten. Die Firma Ulla Popken bietet beispielsweise speziell Damen-Mode für große Größen an, während sich andere Unternehmen beispielsweise auf den Vertrieb von Kinder- oder Luxusmode spezialisiert haben.

Doch nicht nur die Ware, auch Kundenansprache und Werbung müssen heute individuell gestaltet werden und persönliche Wünsche und Eigenheiten des Kunden berücksichtigen. Das stellt die Werbeindustrie vor neue Herausforderungen, die diesen mit innovativen Tehnologien begegnet. So sind werbungtrebende Modeunternehmen heute in der Lage, ihre Kundschaft durch digitale Analysetechniken deutlich effizienter anzusprechen und individuell auf ihre Wünsche einzugehen.

Vernetzung von Mode – Smart Fashion

Eine Mütze, die im Winter die Temperatur des Kopfes konstant hält? Ein Sport-Shirt, das den Blutdruck messen kann? Oder ein smarter Turnschuh, der per App gesteuert wird? Klingt nach Science-Fiction, ist jedoch schon bald Realität. Untern dem Begriff „Smart Fashion“ werden seit einiger Zeit zahlreiche Produkte entwicklet, die moderne Technologien einsetzen, um Kleidungsstücke um zusätzliche Funktionen zu erweitern. Ein praktisches Beispiel aus dem Profisport: verschiedene Hersteller arbeiten derzeit an neuartigen Fußballtrikots, die die Vitalfunktionen der Spielerinnen und Spieler erfassen und überwachen. Bis Innovationen dieser Art jedoch im Alltagsleben ankommen, wird es noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zuerst sind weitere Investitionen in die Forschung und Entwicklung notwendig, um die Kosten für derartige Produkte auch für den Endverbraucher erschwinglich zu machen.

Verschmelzung von Online und Offline

Der Onlinehandel gräbt dem klassischen Fillialgeschäft das Wasser ab, so die einhellige Beobachtung im Einzelhandel. E-Commerce-Player wie Amazo oder Zalando beanspruchen immer größere Marktanteile, was vielen Unternehmen der Textilindustrie Kopfzerbrechen bereitet. Zudem führt der dadurch immer stärker werdende Preiswettbewerb dazu, dass Mode immer schneller entwickelt, produziert und auf den Markt gebracht wird, was die Qualität der Ware mindert und die Umwelt belastet. Ein Umdenken ist notwenig. Sicherlich wird der stationäre Textilhandel nie komplett verschwinden, er muss sich jedoch grundlegend verändern. Daher sind zahlreiche Branchengrößen bemüht, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, bei denen Online- und Offline-Handel miteinander verschmelzen. So testete beispielsweise der Düsseldorfer Teleshoppingsender QVC ein System zur virtuellen Anprobe von Modeartikeln. Andere Maßnahmen incentivieren den Einkauf in der Filiale, indem Zusatzleistungen geboten werden, die online nicht verfügbar wären.

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