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Neubau „Green Bridge“ könnte Theodor-Heuss-Brücke ersetzen

Seit einigen Jahren ist klar, dass die chronisch überlastete Theodor-Heuss-Brücke unter anderem wegen Traglastdefiziten saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden muss. Nun stellten das Architekturbüro RKW gemeinsam mit dem Immobilienmakler Jones Lang LaSalle (JLL) unter dem Titel „Green Bridge Düsseldorf“ einen hochinteressanten Initiativentwurf vor, der einen multifunktionellen Neubau mit bis zu 400 Wohnungen, Büroflächen, Hotel, Restaurant und sogar einem Schwimmbad vorsieht. Dabei sollen Lkw und Autos durch eine innenliegende, vierspurige Röhre geleitet werden, während Fußgänger und der Radverkehr einen darüber liegenden Park nutzen können. Die Kosten für das spektakuläre Bauwerk werden auf mindestens 700 Millionen Euro geschätzt. Die Bauzeit dürfte bis zu fünf Jahre betragen.

Green Bridge Düsseldorf
Die „Green Bridge“ könnte die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf ersetzen, Abb.: RKW Architektur

Historische Chance für ein neues Denkmal

Erarbeitet wurde das Konzept „Green Bridge“ im Rahmen eines städtebaulichen Workshops durch das „design.lab“ von RKW. Dort stellte man sich die Frage, wie man es schaffen könne, über die Funktion einer Brücke hinaus einen Mehrwert für die Stadt und deren Bürger zu schaffen. Das aus dieser Überlegung resultierende Projekt soll besonders nachhaltig werden und die Lebensqualität erhöhen. Durch die innovative Mahrfachnutzung des eigentlichen Verkehrsbauwerks bietet sich eine attraktive Option für eine Stadt wie Düsseldorf, die mit anhaltender Verdichtung und Wohnraummangel zu kämpfen hat. Marcel Abel, Geschäftsführer von JLL, sagte gegenüber der Rheinischen Post, dass man jetzt eine historische Chance habe, um ein neues Denkmal zu schaffen, das nachhaltig sei, Mehrwerte schaffe und weit über Düsseldorf hinausstrahle.

Sollte sich die Stadt dazu entscheiden das futuristische Bauwerk tatsächlich zu errichten, wäre es nach Abels Einschätzung ohne Weiteres möglich, große Investoren zu gewinnen. Das Projekt erfülle die erforderlichen Anlagekriterien. Denkbar wäre die Realisierung etwa in Form einer Public Private Partnership (PPP), also einer Kombination aus öffentlicher Hand und privaten Investoren.

„Green Bridge“ bietet Platz für Wohnungen, Büros und ein Hotel

Die Green Bridge hätte inklusive der Rampen eine Gesamtlänge von rund etwa 1,5 Kilometern. An ihrer breitesten Stelle wäre sie gut 65 Meter breit. Zum Vergleich: die heutige Brücke misst in ihrer vollen Breite mit allen Fahrspuren, Radwegen und Fußgängerwegen gerade einmal 27 Meter. Im Mittelteil würde sich die neue Brücke in der Breite auf nur noch 16 Meter verjüngen. Nur in diesem gut 350 Meter langen Abschnitt würde der motorisierten Verkehr, der sonst in eine Röhre verbannt wird, das Tageslicht erblicken, wodurch die Lärmemissionen deutlich reduziert werden könnten.

Green Bridge
Die Green Bridge wäre bis zu 1,5 Kilometer lang, Abb.: RKW Architektur / formtool

Die Wohnungen, Büros, ein Hotel mit bis zu 350 Zimmern und sonstigen Nutzungsflächen, sollen jeweils über den beiden mächtigen Brückenpfeilern entstehen, die zudem „Mobility Hubs“ für emissionsfreie Mobilitätsangebote beherbergen sollen. Die bis zu 250 Meter langen und 47 Meter hohen Abschnitte mit ihrer geschwungenen, begrünten Fassade, bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Oberhalb der Fahrbahn soll ein Landschaftspark mit 200 Bäumen entstehen. Dank Solarpanels und Windturbinen soll sich die Green Bridge weitestgehend selbst mit Energie versorgen und somit klimaneutral sein.

Theodor-Heuss-Brücke ist chronisch überlastet

Die Theodor-Heuss-Brücke zählt zur bekanten Düsseldorfer Brückenfamilie und somit zu den markanten Bauwerken, die die Düsseldorfer Stadt-Silhouette geprägt haben. Fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde die erste Schrägseilbrücke Deutschlands im Jahr 1957. Somit ist sie die zweitälteste der sieben Düsseldorfer Brücken. Sie verbindet den rechtsrheinischen Stadtteil Golzheim mit dem auf der linken Rheinseite gelegenen Niederkassel. Seinerzeit war die Brücke für bis zu 41.000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt, was heute jedoch längst nicht mehr ausreicht. Schon im Jahr 2016 wurden weit mehr als 72.000 Straßenfahrzeuge pro Tag gezählt.

Aufgrund dieser chronischen Überlastung wurde die Brücke daraufhin eingehend untersucht und Regelungen getroffen, um das verkehrstechnisch wichtige Bauwerk zu schützen. So dürfen seit November 2019 nur noch Fahrzeugen mit einem Gesamtgewicht von bis zu 30 Tonnen die Theodor-Heuss-Brücke befahren. Zudem gilt ein Überholverbot für Lastkraftwagen in beide Fahrtrichtungen.

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